Moritat über die Pfarramtswahl zu Okriftel anno 2005

Ich werd euch jetzt reimen, ob ihr wollt oder nicht
über unsere Gemeinde ein heit´res Gedicht
Obwohl, ob so heiter und ob es gefällt
das bleibt zunächst noch dahin gestellt

Nach dem unser Pfarrer seine Ehe verschlissen
hat er auch das Band zu unsrer Herde zerissen
Und tat uns das auch gewaltig stinken
es blieb uns nichts als zum Abschied zu winken

Und dann musste – aber dalli bitte sehr
ein neuer Hirte für uns Schäfchen her
Der wird, wie es die Satzung erzählt
vom Kirchenvorstand im Geheimen gewählt 

Fünf Kandidaten, die stellten sich vor
Vier von Ihnen lieh die Gemeinde das Ohr
und lud sie zum Probepredigen ein.
Der Fünfte war für unsren Fluglärm zu fein

Zwei Männlein zwei Weiblein – es geht gerecht zu im Leben
haben zu diesem Anlass ihr Bestes gegeben
Und wie es sich bei solchen Dingen fügt
lauschte man Einer besonders vergnügt 

Man setzte sich gerade und spitzte die Ohren
Der Frau quoll der Glaube aus sämtlichen Poren
Bis nach Ägypten hat die Predigt geführt
und auch den kleinsten Sünder gerührt 

Und nach dem heiligen Abendmahl
meinten viele: Die isses auf jeden Fall
So freundlich, so offen, so mitten im Leben
Wo soll es da noch Probleme geben? 

Gott Mutter und Vater spendeten Segen
Nun durften sich alle nach vorne bewegen
die Kandidatin befragen, so will es der Brauch
und genau dies tat man mit Hingabe auch 

Sie kann wohl gut kochen, aber nicht musizieren
würde aber gern mal Posaune probieren
Die Gemeinde nickt freundlich und kommt zu dem Schluss:
das Pfarrhaus liegt weit genug ab vom Schuss 

Endlich nach ihrer Familie befragt
hat sie dann lächelnd die Wahrheit gesagt:
Kinder hat sie keine, das weiß sie genau
und sie teilt Tisch und Bett mit – ihrer Frau 

Viele haben es nicht aus dem Stand getickt
die waren noch etwas länger beglückt
Anderen klappte der Kiefer in Richtung der Bank
Sie wurden leicht blässlich und guckten ganz krank

Schon fühlten sich manche von Sünden so rein
und zückten im Stillen den ersten Stein
Sie vergaßen neben dem Nächsten auch die Nächste zu lieben
und haben recht lange Briefe geschrieben 

Womöglich vom heiligen Geist inspiriert
wurde reichlich schönes Papier voll geschmiert
Doch auch die Anderen schliefen nicht gar und ganz
und befragten voll Eifer die Konkordanz 

Nach „Lesbe“ hat man vergeblich gesucht
und darüber – ganz leise natürlich – geflucht
Man redete sich die Köpfe heiß
Frau sprach dabei Gutes und auch manchen Scheiß

Es wurd´ auch viel Staub von den Bibeln gepustet
und dabei dezent gehustet
Dann warf man verstohlene Blicke – und scheue
In das Testament, vornehmlich ins neue

Es gab nicht viel her, was uns abgesichert
Gott Mutter und Vater hat sicher gekichert
Sich bequem in eine Wolke gelehnt
und zwischendurch auch mal herzhaft gegähnt

Doch dann erhob man entzückt den Finger
Selbst Jesus hatte ´nen Lieblingsjünger
Doch ob er mit dem auch gekuschelt hat?
Dazu schweigen die Schriften, welch ein Verrat!

Also doch Aug um Auge und Zahn um Zahn
Auf der eher alttestamentarischen Bahn?
Wollen wir auch auf Geschiedene zeigen?
Von Onans Sünde ganz zu schweigen?

Und immer näher rückte die Wahl
Für KV-Mitglieder wuchs die Qual
Da hat man so gerne von Toleranz gesprochen
Ja hat man denn da solchen Ärger gerochen?

Man(n) sprach zum Beispiel: “So sind Lesben eben“
Frau wollt ihm dafür sofort eine kleben
Naja, auch zu uns Heteros fällt mir viel ein
Ich schreib da jetzt nix – das lass ich mal sein.

Aber jippy-jippy-jehe
wenn ich auf das Ende sehe
Trotz Urlaub, Krankheit, Tod sogar
in der Fürbeworterinnen Schar

 sprachen sieben von elfen – (Stimmen dagegen: vier klitzekleine)
„Diese Frau soll es sein – die oder keine“
Denn jede Gemeinde, man weiß es genau
braucht außer der Pfarrerin auch die Pfarrersfrau

Die Wahl war schwer, die Wahl war gut
Ich wünsch uns allen frohen Mut
Und Gottes Segen Hirtin und Schafen
auch den nicht immer allzu braven

Weil’s mir in der Feder zuckte
und ein Bienenstich ganz grausig juckte
schrieb ich dieses zwischen nachts um drei
und fünf Uhr früh, ich war so frei

(Daniela Gebert 2.9.2005)

Ungereimtes Nachwort: Bei allen, die sich durch meinen Text auf den Schlips oder sonstige Pretiosen getreten fühlen, entschuldige ich mich hiermit jetzt und sofort und danach nie wieder.

Peace, Sisters and Brothers!!!

Dank an Inge Kilb, wo auch immer sie sein mag,  für unendliche Inspiration!


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