Die Postbank ärgert mich

Neuerdings schwillt mir beim Online-Banking regelmäßig der Kamm.

Beim Öffnen der Postbank Seite begrüßt mich das Bild eines fröhlich lachenden Pärchens auf einer Couch. An sich ein fröhlich stimmender Anblick. Was könnte ich da schon wieder zu meckern haben?

Schauen wir uns die beiden doch einmal genau an:

Er sitzt in der Mitte, die Füße in der Luft und leicht gegrätscht. Wären in unserer Zivilisation  Hosen nicht so verbreitet, würde das Kerlchen uns seine Genitalien präsentieren .Die Arme hat er in einer „was kostet die Welt“ Geste weit ausgebreitet. Der Gute nimmt genau so viel Platz ein wie es irgend möglich ist. Und ist dabei locker und entspannt.

Daneben das Weibchen dazu. An der Seite des Bildes, die Knie sittsam geschlossen. Die Hände auf den Knien scheinen diese zusammen halten zu wollen. Die Schultern sind durch die Pose hochgezogen. Sie wirkt dadurch ausgesprochen verkrampft. Die Haltung ist so geschlossen, wie seine offen ist. Alles an Ihr scheint darauf ausgerichtet, ihre Körpermitte zu schützen und zu verbergen und zu allem Überfluss hat er noch sein Hand vor ihrem Gesicht.

Ich sehe das zu überempfindlich? Ich interpretiere da zu viel hinein? Oh nein. Das ist Werbung. Solche Bilder werden genau dazu gemacht, unterbewusst Signale zu setzen.

Nennen wir die beiden mal Anna und Timo. Timo ist der, der den Ton angibt und locker und entspannt sein Ding macht. Klar, dass Timo auch maßgeblich entscheidet, was mit dem gemeinsam erwirtschafteten Geld passiert, auch wenn Anna fast genauso viel verdient wie er. Ich möchte wetten, das Geld für die Miete, Strom und Heizung geht von Annas Konto ab und da Timo damals lieber die coole Altbauwohnung in der Innenstadt ganz in der Nähe von seinem Kumpel wollte, als die etwas bescheidenere im Außenbezirk, die Anna ganz vernünftig fand, ist nach dem Abbuchen dieser Posten nicht mehr viel los auf Annas Konto. Aber für die Einkäufe von Lebensmitteln, die sie nach der Arbeit noch schnell erledigt, reicht es schon noch.

Timo kümmert sich um die anderen wichtigen Dinge, wie Urlaube und dringende Anschaffungen wie den neuen Flachbild Fernseher und die Hifi-Anlage. Nur vom feinsten natürlich. Das muss er auch nicht mit Anna besprechen, die hat da ja sowieso keine Ahnung von. Für den Wäschetrockner, den Anna ganz gerne gehabt hätte, weil sie keine Lust mehr hat, die Wäschekörbe zum Aufhängen immer auf den Dachboden zu schleppen, hat’s nicht mehr gereicht. Ach komm, mein Hase hat Timo nur gemeint. Das hält deinen Popo knackig und du musst nicht oft in das Fitness-Center rennen. Dabei hat er ihr einen Klaps auf den Hintern gegeben und die Sache war gegessen.

Jetzt will Timo sich ein Motorrad zulegen, weil das einfach cool ist und schon immer sein Traum war. Eigentlich haben sie das Geld nicht, aber bei der Postbank gibt’s ja einen günstigen Kredit. Anna meint, dass das keine so gute Idee ist, weil ihr 12 Jahre alter Polo es vermutlich nicht über den nächsten TÜV schafft. Da sie keine Reserven haben, werden sie den schon finanzieren müssen. Außerdem fühlt sie sich hinten auf dem Motorrad überhaupt nicht wohl. Klar ist Timo ein souveräner Fahrer, aber das war ihr Cousin auch. Hat ihm aber gar nichts genützt, als ein 85jähriger beim Linksabbiegen von der Landstraße die entgegenkommende Maschine übersehen hat.

Sei kein Spielverderber, Hase, meint Timo dazu nur. Und wenn es so gar nicht für ein neues Auto reicht, werden sie das Baby, das im Winter kommt, halt dick eingepackt zwischen Anna und ihn klemmen oder so. Irgendwas wird ihnen schon einfallen, sagt Timo, breitet mit einer großzügigen und lässigen Geste die Arme aus  und lacht. Und Anna lacht mit, ein bisschen verkrampfter halt und ziemlich aufgesetzt. Und dabei schließt sich ihr Körper schützend um das Kind.

Ja, meine Phantasie geht leicht durch. Aber wenn ich solche Bilder sehe, ausgerechnet auf der Startseite einer Bank, dann wundert es mich nicht mehr, dass Frauen in Deutschland fast ein Viertel weniger verdienen als Männer. Denn die Signale, die auf diese Art und Weise gesetzt werden, tun ihre Wirkung.

 

~ von danielag - Sonntag, 13. März 2016.

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