Primark – der große Horrorladen

Meine hellauf begeisterten Kinder  berichteten mir von einem Beutezug bei Primark im Nordwestzentrum. Alles superdoll und so superbillig, dass ich mir das mit superdoll nicht so richtig vorstellen konnte. Sie wollten mir das unbedingt zeigen und deshalb haben wir unseren vorletzten Ferientag den Göttern des Konsums geopfert. Das Abenteuer, aus dem Parkhaus in das Einkaufszentrum zu finden, lasse ich hier mal aus. Leute, die mich und meinen Orientierungssinnn gut kennen, denken sich einfach ihren Teil.

Beim Betreten des Ladens klappte mir dann erst mal der Kiefer runter – aber nicht vor Begeisterung. Es stank dermassen nach Chemikalien, dass es einem sofort in den Lungen brannte. Kunden mit Beutesäcken, in die die Kleidung gestopft wurde, als ginge sie direkt in die Altkleidersammlung, trampeteln über auf dem Boden liegende Ware. Dabei blieb auch durchaus einiges auf der Strecke. Schlangen vor der Umkleide – besonders bei den Damen und noch längere Schlangen an den Kassen weckten in mir den dringenden Wunsch, dass wir bitte, bitte nichts finden mögen. Auf den Etiketten der Bekleidung kein Hinweis auf das Herstellungsland. Immer lauter die Frage: Will ich hier wirklich etwas kaufen?

Die Kunden behandelten die Ware schon wie Müll, bevor sie sie kauften. Stoische Verkäufer legten endlos Klamotten zusammen, aber das Chaos blieb. Was zur Hölle weckt solchen Vandalismus in ganz normalen Leuten.

Ich bin weiß Gott kein großer Weltverbesserer. Wir essen Fleisch von unglücklichen Hühnern und Kartoffeln, die so behandelt sind, dass sie niemals keimen. Ich trinke Wasser aus PET-Flaschen und glaube trotzdem, dass ich eine sagenhafte Lebenserwartung habe. Ich trenne Müll halbherzig und ja – ich kaufe auch Turnschuhe von Marken, die schon mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht wurden. Aber dieser Laden hat mein Ignoranz-Potential ganz klar überfordert.

Ob’s die giftigen Dämpfe waren, die jegliche Wertschätzung der Ware und Rücksicht den Verkäufern gegenüber zu Tode ätzten? Wer so mit seiner Umwelt umgeht, dem ist es auch scheißegal ob die indische Arbeiterin Krebs von den Azofarben bekommt, oder ob sie von 12 Stunden Arbeit täglich ihre Kinder ernähren kann.

Wir verließen den Laden fluchtartig und zumindest ich werde nicht zurückkehren. Ich will nicht, dass mein Sohn schwarze Beine von neuen Hosen bekommt und meine Tochter die Krätze von den hübsch bunten Kleidchen. Und ich will nicht dieselben Klamotten tragen, wie Leute, die sich im Laden wie Russen am kalten Buffet benehmen, auch wenn das jetzt mal eben politsch unkorrekt gewesen sein könnte.

~ von danielag - Freitag, 13. April 2012.

Eine Antwort to “Primark – der große Horrorladen”

  1. Hab mir bislang keine Gedanken über diesen Laden gemacht, meine Tochter geht in Essen schon mal da rein und hatte sich noch nicht negativ geäußert. Aber nach der Beschreibung oben ist es da ja schlimmer als im von mir boykottierten KiK … Muss ich doch direkt mal nachfragen bei der Tochter …

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