Kaltaquise mon Amour

Am helllichten Tag zu Hause antreffbar zu sein ist echt kein Spaß. Da gibt es  Paketboten, die nur in jedem 30sten Fall tatsächlich etwas für mich haben. Die lassen sich bei mir darüber aus, dass meine direkten Nachbarn aus Prinzip nichts annehmen. Und dann die Drückerkolonnen. Leider kommt ja der Spruch „haben sie Vorurteile gegen ehemalige Strafgefangene“ aus der Mode. Für die hatte ich bereits eine Standardantwort: „ja!“. Während die noch verdutzt gucken, erkläre ich, dass mir ehemalige Strafgefangene bisher immer Zeitungsabos andrehen wollten. Das reicht meistens. In einem besonders hartnäckigen Fall musste ich außerdem noch behaupten Analphabet zu sein.

Heute waren mal wieder zwei besonders clevere Kerlchen „von T-Com“ da. Trotz des eigentlich milden Wetters trugen sie T-Com Jacken und zwar so hochgeschlossen, dass man die Werbeaufdrucke auch ganz besonders gut lesen kann.

Sie wollten da mal was überprüfen, das ginge ganz schnell und sie bräuchten nur meine Kundennummer. Mein Einwand, dass sie diese doch haben müssten, wurde mit einem „nee, eben nicht, die hat nur der Innendienst“ abgebügelt. Ob ich sie mal eben parat hätte. „Nee, eben nicht“ antwortete ich.

Ich schlug vor, dass die T-Com telefonisch einen Termin mit mir vereinbart, bei dem sie meine Kundennummer vorliegen haben. Da drehten die Jungs sich wortlos um und gingen.

Liebe T-Com,

wenn das echt Eure waren (was ich bezweifele) dann bringt den Jungs Manieren bei. Sollten wir echt einen Termin ausmachen, möchte ich nicht, dass mir einer davon einen Händedruck aufzwingt, der den Eindruck erweckt, man wolle mich über meine Türschwelle in die Wohnung drängen, während der andere SMSens verschickt und bei meiner Weigerung, die Kundennummer herauszusuchen in eine deutlich aggressive Haltung verfällt.

Und ich hoffe auch, liebe T-Com, dass Eure Vertriebler nicht ohne Abschiedsgruß abdrehen, wenn nicht alles so läuft, wie sie das gerne hätten.

Mehrmal am Tag gibt es auch diese „Spreche ich mit Frau xxx yyy“ Anrufe. Ich erkläre immer am Telefon, dass ich nicht da sei. Mal bin ich die Putzfrau, mal der Nachlassverwalter  und einmal war ich auch die Hauptkommissarin Meyer, die gerade den Mord an Frau xxx yyy untersuchte. Meine Kinder freuen sich immer wieder wie wild über solche Anrufe. Besonders, wenn ich dem Anrufer noch ins Wort falle mit Dingen wie: „Ja, ihr könnt sie mitnehmen, aber passt auf, dass die Hirnmasse nicht überall hintropft.“

Ich bin mir mittlerweile ganz sicher, dass ich auf diese Weise aus so mancher Adressdatenbank verschwunden bin.

~ von danielag - Freitag, 1. April 2011.

4 Antworten to “Kaltaquise mon Amour”

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen, das mit dem Mord ist ziemlich genial!

  2. Haha, wie geil ist das denn! Den Spruch mit der Hirnmasse muss ich mir echt merken😀

    Liebe Grüsse
    Juliane

  3. Ich glaub, ich würd dir auch gern beim Abwimmeln am Telefon zuhören🙂

  4. Ja, nur hätte ich am Freitag um ein Haar meiner Krankenkasse erzählt, ich sei tot. Das könnte Unruhe auslösen.

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