Zwei Kater sind einer zu viel

Frau Gebert hat gestern gefeiert. In einen 40. rein. Und ich hatte einen Fahrservice. Wie schön.

Das erste Glas Rotwein trank ich, als das Gespräch an meinem Tisch von der Frage, welche weiterführende Schule in der Gegend (nicht meine Gegend) die beste für welches Kind (wieso hatten wir diese Plagen denn zu Hause gelassen, wenn wir dann doch nur über sie reden) sei. Also von diesem Traumthema direkt zur unfehlbaren Wirkung von Bachblüten umschwenkte.

Den nächsten Rotwein brauchte ich, als es darum ging, dass es Leute gibt, die sich so gar nicht um ihre Kinder kümmern wollten und von einer Ganztagesschule ernsthaft erwarten, dass abends alles erledigt ist. „Die Leute wollen sich überhaupt nicht um ihre Kinder kümmern“ schimpfte der Schnauzbartträger und ich fragte mich, wie oft der wohl in der vergangenen Woche mit seinen Kindern Hausaufgaben gemacht hat.   Das verdächtige Glitzern in seinen Augen, als ich ihm mitteilte, dass ich, wenn ich abends nach Hause komme, keine Hausaufgaben kontrolliere und lediglich nachfrage, ob es irgendwas gibt, weil ich einfach müde sein und hoffe, dass es nichts gibt ließ mich nach dem dritten Glas greifen.

Auch am Nachbartisch wauren die Themen nicht erhebender. Daher schloss ich mich der Minderheit an, die tanzen wollte, was durchaus möglich gewesen wäre. Der DJ hatte alles dabei, was richtig reinhaut. Doch die Leute saßen an den Tischen, tauschten die Adressen ihrer Heilpraktiker und tranken munter weiter. Ich zuckte die Schultern und ließ mir noch einen Rotwein geben. Dann noch zwei Aufgesetzte, das ist Isopropylalkohol mit schwarzen Johannisbeeren – oder so ähnlich und ich fand die Party schon ganz nett. Es erfolgte der Fahrservice – sehr nett übrigens – und ich wurde von einem frenetisch miauenden Kater empfangen, der angesichts meiner Abwesenheit bis halb vier, den Rest der Nacht sehr anhänglich war.

Gegen sieben bekam der Kater Hunger und einen Genossen. Meinen Kater. Jetzt war mir nach Miauen zumute. Ich wollte alles, bloß nicht aufstehen und Katzenfutter kredenzen.

Der lebende Kater starrte mir aus 2 cm Entfernung ins Gesicht, bis ich die Augen öffnete.  Der metaphorische Kater versetzte das Schlafzimmer in Drehungen. K11 latschte über mich drüber, der andere Kater hob mir sacht den Magen. Dann stocherte ein samtpfötiges Etwas unter der Bettdecke nach meinen Füßen und sobald ich die bewegte, erlegte er sie nach Raubkatzenmanier. Ich kam zu dem Schluss, dass es doch besser sei, Katzenfutter zu kredenzen, bevor K11 anfing an meinen Ohren zu knabbern. Wääääh, kann Rindfleisch eklig riechen.

Gegen Mittag konnte ich was essen und jetzt ist K11 wieder der einzige Kater. Wie immer dem Hungertod nah. Ich werde früh ins Bett gehen und noch etwas lesen, bis K11 kommt, um sich den Hintern an der Leselampe zu wärmen und es finster wird.

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~ von danielag - Sonntag, 23. November 2008.

4 Antworten to “Zwei Kater sind einer zu viel”

  1. Gröhl! Sehr nett geschrieben 🙂

  2. herrliche geschichte! es dauert immer ein weilchen bis hier wieder was neues geschrieben steht, aber wenn dann gleich richtig! lach. das gäbe ein gutes buch! einen bestseller!

  3. Sie haben soeben einen neuen Dauerleser erhalten. Sie schreiben einfach wunderbar!
    Vielen DAnk!

  4. Du musst jetzt bloss noch deinen Titel ändern:
    küche, kinder, kamikaTze…
    Ein gutes Neues Jahr wünscht Dir von Herzen

    franziska

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