Katzenjammer

Mit Kindern hat man ja immer wieder diese spaßige Diskussion wegen Haustieren. Und ganz ehrlich, mit der Anschaffung von Achatschnecken ist man nicht wirklich aus dem Schneider.

Dabei hat man solch überzeugende Killerargumente: Die vielen Allergiker in der Familie und im Bekanntenkreis, wenig Zeit wegen Berufstätigkeit, und die Tatsache, dass wir ganz gerne mal verreisen.

Diese Argumente wären unschlagbar, wenn ich wenigstens selbst wirklich davon überzeugt wäre. Und dann maunzt es da draußen herzzerreißend. Ein Kater, weiß mit getigertem Schwanz ,einer lustigen grauen Kapuze und einem Tupfen auf dem Po singt das Lied vom Hungertod. Bei näherer Betrachtung erweist das Kerlchen sich zwar als üerraschend wohlgenährt, aber ach dieses Jammern.

Und plötzlich steht die Haustiergegnerin da und füttert eine wildfremde Katze mit allerbestem Hackfleisch. Das Katzentier besichtigt die Wohnung wohlwollend und nimmt auf dem Sofa Platz. Und er schnurrt und er schmust (und er haart) und er ist ja sooooo lieb. Und dann die Frage, die unweigerlich kommen muss: Können wir den behalten?

Nein, können wir nicht, wegen der Allergien und der wenigen Zeit und überhaupt, er könnte ja doch jemandem gehören.

Und überhaupt stehe ich wenig später im Supermarkt und packe Katzenstreu und Futter in den Wagen. Und falls wir nicht rauskriegen, wem er gehört, will ich es mir wenigstens überlegen (soweit ich bei all dem Schnurren und Schmusen überhaupt klar denken kann) ihn zu behalten.

Später stellt sich heraus, dass er sich schon eine Woche bei unseren Nachbarn durchgefressen hat. Auch die dachten ernsthaft darüber nach, ihn zu behalten. Trotz bekannter Katzenhaar-Allergie der Familienvaters (aber werden Familienväter nicht allgemein völlig überbewertet?). Als der Nachbar dann aber nur noch schniefte und leise röchelte, entschied man sich dann doch gegen das Katzentier. Und so war er dann einfach zu uns übergelaufen.

Der Besuch im Tierheim war schon vereinbart. Ich wollte wenigstens nachgucken lassen, ob er gechipt ist. Katzi ging abends aus und war zum Frühstück wieder da (es gibt nicht viele, die mich im Urlaub um 7 wecken dürfen) Er schmuste und schnurrte und ich beguckte schon interessiert meine Wohnzimmerwände zwecks Einbau einer Katzenklappe.

Und dann meldete sich eine Familie, die seit zwei Wochen ihren Kater nicht mehr gesehen hatte. Weiß, mit Tigerschwanz, Kapuze und Tupfen auf dem Po.

Ohjeh! Das gab Tränen beim Töchterchen und auch ich schniefte feucht ins weiße Fell. Was den Kater aber nicht störte. Der schnurrte und schmuste, fraß und haarte weiter vor sich hin. Als abends ein überglückliches kleines Mädchen ihren Carlo bei uns abholte, schmuste er gleich weiter.

Ich habe es immerhin geschafft, weder gestern noch heute ins Tierheim zu fahren und „nur mal so“ die Katzen anzuschauen. Aber vielleicht könnte man ja unter dem Küchenfenster…

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~ von danielag - Samstag, 18. Oktober 2008.

2 Antworten to “Katzenjammer”

  1. um das Feuer hinterlistig ein wenig zu schüren: angeblich sollen Britisch-Kurzhaar-Katzen nicht diese allergieauslösenden Enzyme im Speichel haben. Recherche wäre ja vielleicht lohnenswert? (ich weiß es nämlich nur gerüchteweise)

  2. Wenn ich dich ins Tierheim begleite, besteht die Gefahr, dass wir beide mit zwei bis fünf Katzen selbiges wieder verlassen 🙂

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