Kinderklinik Part 1

Eins mal vorneweg. Ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem es eine umfangreiche ärztliche Versorgung gibt. Aber ich muss an dieser Stelle loswerden, dass Nächte in der Höchster Kinderklinik echt keine Wellness-Kur sind.

Zunächst mal wurden wir ohne viel Gedöns aufgenommen und zogen vergnügt zu einem Marcel ins Zimmer, der etwa gleichalt wie David war. Die beiden verstanden sich sofort und saßen binnen einer halben Stunde friedlich puzzelnd am Tisch. Immer mal wieder stapften sie gemeinsam los und holten sich eine neue Schachtel. Die Eltern saßen auf dem Balkon und betrachteten die Szene wohlwollend. Es fing also vielversprechend an.

Ich musste zwar schlucken, dass ich als Begleitperson eines schulpflichtigen Kindes selbst um eine leere Tasse für micht betteln musste – weil das ja so ein Aufwand ist, das ganze Geschirr, das die Muttis verbrauchen zu spülen. Hömpf. Man hatte mich zwar ausdrücklich aufgefordert mein Kind mit einer Erkrankung, die durchaus psychosomatisch sein könnte zu begleiten, aber eine Existenzberechtigung resultiert daraus nicht wirklich.

Schade (für uns), dass Marcel am Nachmittag entlassen wurde. Aber so ein Zimmerchen nur für David und mich hatte ja schon was. 

Und dann kam da so ein Kerlchen, das vermutlich noch Schlafanzüge mit Füßchen dran trägt und stellte sich als Stationsarzt vor. Ich glaube, ich sammelte Pluspunkte, indem ich einfach die Klappe über sein Alter hielt.  Das wirklich niedliche Doktorchen grinste verschmitzt und meinte, er wolle mich mal eben aufklären. Ich grinste ebenso verschmitzt und meinte „Nur zu“. Allerdings ging es dann doch nur um die Risiken des Eingriffs. Als ich zum Schluss meinte, ich vermisse den Passus, wo drinsteht, dass sie vielleicht hinter dem Gaumenzäpfchen falsch abbiegen und statt der Magenspiegelung eine tiefe Hirnbiopsie vornehmen (Danke Tina für die Anregung) fiel der Gutste fast vom Stuhl. Mit diesem Arzt versteht sich Familie Gebert jedenfalls prächtig.

Auch der Herr Professor – die Chefarztbehandlung abzurechnen, ließ man sich natürlich nicht durch die Lappen gehen – machte einen sympathischen Eindruck und machte den Vorschlag, am nächsten Tag eine Videokassette mit zur Gastroskopie zu bringen. Diese echt coole Alternative zu schnöden Urlaubsdias haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Erstaunt nahm ich zur Kenntnis, dass man in der Klinik zwar kostenlos fernsehen kann, bis einem die Augen rausfallen, sowas wie frisches Obst oder Gemüse zu den Mahlzeiten aber nicht selbstverständlich ist. Also entfernten wir uns illegal vom Klinikgelände und gingen erst mal einkaufen. Nach einem vitamintechnisch aufgepeppten Abendessen, bei dem ich mir Davids Teetasse unter den Nagel riss, legten wir uns zur Ruhe. Bis die Schwester kam und uns bat, ins Nachbarzimmer umzuziehen. Ich fragte, ob ich nicht von Davids privater Zusatzversicherung Gebrauch machen könnte. Der Luxusbube hat nämlich ein Anrecht auf ein Einzelzimmer. Nö, man sei überbelegt, und ich solle besser jetzt umziehen, damit sie mich nicht nachts um drei wecken würden, wenn jemand auf das Zimmer gelegt würde.

So platzten wir also in die Einschlafzeremonie einer Zweieinhalbjährigen, der es deutlich schlechter ging als David. Als die Mütterbetten aufgeklappt waren, zeigte sich, dass man nicht mehr an die Schränke kam und nicht mehr ans Waschbecken. Naja, wird eh alles überbewertet.

Was den Platz im Zimmer betrifft, bin ich mir sicher, ein schwerkrimineller Häftling hat es besser. Und wie die Sache vom Brandschutz her aussieht, wage ich kaum zu fragen. Naja, die Hütte ist nicht abgebrannt. Glück gehabt ;o) Obwohl so eine heiße Renovierung dem Bau sicher nicht schaden würde.

Die Nacht war, wie solche Nächte sind. Schreiende Kinder, fiepende Monitore. Gegen drei der versprochene Einzug im Nachbarzimmer. Mehr schreiende Kinder, mehr piepsende Elektronik, draußen ein Kompressor im Dauerbetrieb. Gut, dass ich mir Schlaf eh abgeschminkt hatte. Ich hörte ein ganzes Hörbuch von Karin Fossum und jede Menge Tracy Chapman.

Morgens ging es dann ratzefatz mit David. Ich durfte die ganze Zeit dabei sein und hatte mal wieder das Vergnügen mein Kind im Drogenrausch wegdösen zu sehen, während es angestrengt versuchte, dem Chefarzt die Frage zu beantworten, wer denn nun die EM gewinnt. Vorher hatte el Chefe noch eine Schwester mit einer Spritze naßgespritzt, um beim Patienten für gute Stimmung zu sorgen. Das ist ihm gelungen. Ich bitte aber meinen Chef, falls er hier mitliest, sich solche Dinge zu verkneifen. Egal, wie witzig der Einkäufer von Sanofi sowas findet!

Der Rest des Eingriffs verlief glatt. Man fand, das Kind habe eine Magenschleimhautentzündung. (Aha!) Keine Geschwüre (fein!) auch nicht im Zwölffingerdarm (umso besser!) Ich durfte einen Blick auf die Stimmbänder werfen und muss zugeben, dass David eine Phase mit 18 Monaten hatte,  in der ich diese Gelegenheit genutzt hätte, den Arzt zu bitten, die Dinger für eine Weile lahm zu legen (siehe auch Stichwort Ultraschall-Kampfschreie)

To be continued – ich muss morgen noch Davids Geburtstagsparty überleben

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~ von danielag - Freitag, 6. Juni 2008.

5 Antworten to “Kinderklinik Part 1”

  1. Meine Güte, du hast wirklich was gegen Langeweile, mhm? Aber nur weiter, es liest sich wie die besseren ER-Folgen.

  2. Stimmt! Der Arme hat ausgerechnet im Krankenhaus Geburtstag?
    Egal, hauptsache, es geht ihm/Euch gut!!

  3. Oh mann.. diese Krankenhausszenen in Kinderkliniken kenne ich nur allzu gut. Als Sophie klein war, musste sie direkt nach der Geburt auf die Intensivstation und auch danach musste sie wegen diverser Magendarm-Infekte noch des Öfteren in die Klinik – und meist war ich dabei. Ich habe in den Nächsten im Krankenhaus kein Auge zugetan.

    Kann es also gut nachvollziehen 😉

  4. Ich war nur ein einziges Mal mit (meinem) David im Krankenhaus- für vier Tage und drei Nächte und das hat meinen Bedarf für den Rest meines Lebens mit (kleinen) Kindern gedeckt!

    Ich hoffe für Euch, dass sie einen Befund stellen können, der nicht allzu tragische Folgen haben wird für die weitere Zukunft und wünsche noch einen angenehmeren Aufenthalt und alles Gute für den kleinen Patienten!

  5. Die Erfahrung „Kinderklinik stationär“ habe ich zum Glück nur ein einziges Mal mit meinem Mittleren machen dürfen. Kaum waren wir aus dem Krankenhaus zuhause, mussten wir in die Kinderklinik – ich durfte ihn nicht stillen und musste abpumpen … nur fühlte sich keiner dort zuständig, mir die Funktionsweise einer elektr. Milchpumpe zu erklären und als die ersten Schmerzen auftraten, sich auch mal mich anzusehen – das Ende vom Lied war, dass ich mit einer fetten Brustentzündung und hohem Fieber nach Hause kam. Von sonstigen Nettigkeiten wie Übernachten auf einem Liegestuhl, WC und Dusche (kurz nach der Entbindung!) auf einer anderen Station, Essen und Trinken für die Mama nur in der Klinikkantine – drei Stockwerke weit weg … etc.. Daher kann ich Dich gut verstehen …
    Gute Besserung für Deinen Sohnemann!

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