Weia!

Monsieur Sohn ist mal wieder von einem Baum gefallen und hat einen fetten Bluterguss und eine fiese Abschürfung an der Seite. Er autscht und jammert. Er tut mir leid, aber machen kann ich nicht viel. Ein Kühlakku ist zu kalt und mit Arnikakügelchen den Eindruck erwecken, gegen alles Leid der Welt könne man etwas einwerfen, mag ich nicht.

Doch das ist nicht alles: Pfingsten steht an. Pfingsten ist ein Fest, das in unserem eher ländlichen Ort vom Vereinsleben geprägt ist.

Wir haben ein Wäldchesfest, auf dem jedes Grüppchen etwas vorführen muss. Tochter ist sportlich, Tochter ist Gruppenmensch, Tochter macht überall mit. Also werden wir am Sonntag um 11 Uhr Tochters selbstgebautes Boot beim Wettbewerb „Alles was schwimmt“ anfeuern und womöglich etwas Obskures gewinnen. Auf jeden Fall gewinnt der Förderverein unserer Grundschule, zu dessen Gunsten die Veranstaltun läuft. Wir sind also dabei.

Tochter ist auch im Sportverein. Deshalb müssen wir am Montag mittag hin, um ihren Auftritt zu bewundern. Eingerahmt in solch wunderbare Dinge wie der dörflichen Brassband, etc.

Tochter tanzt aber auch in der Tanz AG ihrer Schule. Die tritt um halb elf auf. Das hätte ich gerade noch ausgehalten. Es gibt aber eine Generalprobe um 9 Uhr am Montag morgen und da hört der Spaß für mich auf.
Da meine Familie auch das Bedürfnis hat, uns mal zu sehen, werden wir am Sonntag hinfahren – natürlich erst nach „Alles was schwimmt“. Wenn ich aber schon mal in Sachsenhausen bin, will ich die Gelegenheit nutzen und abends die Kinder bei Oma und Opa  lassen und weggehen. Weder ich noch meine Eltern wollen aber am Montag um 7 aufstehen, um Madame Tochter zu ihrer wahnsinnig wichtigen Generalprobe zu kutschieren.
Also habe ich Sarah von der Generalprobe abgemeldet, was für die Leiterin der Tanzgruppe kein Drama war. – Aaaaaaaaaaaber für meine Erstgeborene. Den ganzen Abend habe ich mir ihr saures Gesicht angeschaut und das unendliche Leid ertragen. Als sie dann so unglücklich war, dass sie nicht ins Bett gehen konnte, wurde Madame le Maman etwas deutlicher im Ton.

Sarah öffnet ihren Kassettenrekorder, um sich mit den Wilden Hühnern in den Schlaf zu weinen. Großer Gott! Der Kassettenrekorder hat die Kassette zur verspeist. Bandriss, Bandsalat, das volle Programm. Die wilden Hühner und die Liebe, unrettbar dahingerafft!

Das Schluchzen des untröstlichen Kindes verfolgt mich seit knapp einer halben Stunde. Es tut mir wirklich leid um ihre Kassette, aber wir werden sicher irgendwo eine prima RaubSicherheitskopie auftreiben.

Die Sache mit der Generalprobe ärgert mich. Die Termine werden mir einfach so reingeknallt. Ich habe zu spuren. Das bisschen Restleben, das ich vor meiner Firma rette, soll von einer Tanzvorführung aufgefressen werden.

Mit Beruf und Kindern bin ich andauernd fremdbestimmt und wenn ich das nicht zulasse, kann ich mir anhören, wie meine Erstgeborene heult, bis die Stimmbänder versagen. Ich fühle mich ungerecht behandelt

Böses Universum!

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~ von danielag - Donnerstag, 8. Mai 2008.

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