Hühnergötter

Das Beisammensein mit einer Gruppe von Frauen, die sich zum Teil doch sehr spirituell veranlagt sind, wirkt sich langsam aus. Heute hat es mich endgültig erwischt. Am Strand von Hiddensee gibt es eine Menge Feuersteine. Diese sind zum Teil so aufgeschlagen, dass ihr Innenleben zu sehen ist. Die schwarze, glatte, glasartige Fläche ist einerseits faszinierend andererseits auch irgendwie unheimlich, so dass ich mich fast scheue, so ein Ding fort von seiner gischtumtosten Heimat auf die Ödniss meines Schreibtisches zu verschleppen, aus Angst, er könnte es mir übel nehmen. Einige Feuersteine weisen Löcher auf, durch die man eine Schnur ziehen kann. Es heißt, man habe diese früher an die Hühnerstangen gehängt, damit die Hühner besser legen. Man nennt die Dinger Hühnergötter. Da ich mir aufgrund meines teilweise recht stark ausgeprägten Kommunikationsbedürfnisses  irgendwann den Wahlspruch „Nicht gackern, Eier legen!“ zugelegt habe, war mir klar, dass ich so einen Hühnergott haben muss, der besonders meine schriftstellerische Legefreudigkeit verbessern soll.Und so stapfte ich heute Nachmittag am Strand entlang und hob Steine auf.  Ich fand eine Menge Halbgötter in schwarz. Die hatten zwar tiefe Höhlungen, aber kein Loch bis zur anderen Seite. Irgendwann wurde ich durch eine Gruppe Möwen in der Luft und eine ganze Menge Enten direkt darunter auf dem Wasser abgelenkt. Während ich meinen Fotoapparat aus dem Rucksack angelte, kam mir der Gedanke, dass diese Vögel mich nur ablenken wollten, damit ich ihren Hühnergott nicht finden und mitnehmen würde. Misstrauisch blickte ich zu Boden und tatsächlich, da war so ein Stein mit einem Loch. Man konnte nicht erkennen, ob es ganz durch ginge und da der Stein größer war, als das, was ich mir gewünscht hätte, hoffte ich ein ganz klein wenig, es möge auch nur ein Halbgott sein.Aber man kann sich so etwas nicht aussuchen. Es war der gesuchte Hühnergott und nun musste ich ihn mitnehmen. Die Möwen schrieen zornig und plötzlich frischte der Wind auf und es begann heftig zu regnen. Ich packte meinen Fotoapparat ein und die Kapuze über den Kopf und stapfte zurück ins Wieseneck, während der Wind um meinen Kopf herum rauschte und die Regentropfen ein klein wenig im Gesicht stachen. Ich war sehr vergnügt. Allah akhbar – Gott ist groß!  

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~ von danielag - Mittwoch, 23. Januar 2008.

Eine Antwort to “Hühnergötter”

  1. Ichhabe mir solch einen Lochstein von Helgoland mitgenommen, nur sind es dort Wettersteine. Man hängt sie vor die Haustür und beachtet folgende Weisheiten:

    Ist der Wetterstein nass, dann regnet ist.

    Schwingt der Wetterstein wild hin und her, dann weht ein ordentlicher Wind.

    Hat der Wetterstein eine Schneehaube ist Winter.

    Das ist soviel praktischer als ein oller Hühnerstein!

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