Wenn Danny eine Reise tut…

Es war schon vorgestern abend spannend, als ich gemerkt habe, dass die Putzfrau den Schlüssel zur Waschküche mitgenommen hatte. So kam ich weder an die für die Reise gewaschenen Klamotten, noch konnte ich den Rest in die Maschine werden, der noch ausstand. Immerhin brauchten ja auch Klamotten für eine Woche Exil. Und bei dem momentan sehr schlammigen Wetter brauchen die lieben Kleinen eine Menge davon, aber das ist eine andere Geschichte (Ich sag nur: „Die knusprige Kruste ist das Beste an Kindern“)

 

Die Putzfrau versprach, den Schlüssel zu bringen, aber als sie nach anderthalb Stunden noch nicht da war,  hatte ich die Horrorvision, dass sie ihn nicht mehr finden konnte und führte schon erste Telefonate mit lieben Freunden bei der Feuerwehr, um herauszubekommen, ob die eine Tür zerstörungsfrei öffnen können. Können sie übrigens nicht, aber bei in brennenden Häusern eingeschlossenen Familien, schert man sich nun mal nicht um die Kosten für einen neuen Zylinder.

 

Die Putzfrau kam dann doch mit Schlüssel, ich kam an eine ausreichende Menge saubere Unterwäsche und packte alles vergnügt in meinen großen Rucksack. Zu meinem Seminar sollte ich ja einen Gegenstand mitbringen, der meine Vergangenheit symbolisiert.

Einer der schönsten Teile meiner Vergangenheit waren die Rucksackreisen durch Thailand. Und weil ich ja schon immer praktisch gedacht habe, wollte ich so 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Ein erster Hinweis darauf, das damals und heute nicht dasselbe sind, war die Feststellung, dass ich damals locker die Klamotten für 4 Wochen in dem fuchsiafarbenen Ungetüm unterbrachte, während die Ausrüstung für eine Woche Hiddensee darin unterzubringen, eine echte Herausforderung darstellte.

Als dann alles hineingestopft war kam das Probetragen. Die Tatsache, dass ich in den letzten 20 Jahren etwa 7 Kilo Gewicht zugelegt habe und statt T-Shirt eine Steppjacke trug machte einige Korrekturen am Tragegeschirr notwendig. Und nach 20 Minuten Gefummel signalisierte meine Wirbelsäule, dass auch sie seit 1990 ein wenig gelitten hat. Entsetzt schleppte ich gefühlte 50 Kilo zur Waage, bloß um festzustellen, dass es nicht mal15 waren.

 

So ließ ich die Vergangenheit Vergangenheit sein, packte um und gestand mir ein, dass ich mittlerweile auch schon zur Generation Trolley gehöre. Aber in noch mal 8 Jahren wird meine Tochter das Ding vielleicht mögen, denn ob David pink so richtig prickelnd finden wird, ist fraglich.

 

Am letzten Arbeitstag, den ich im Homeoffice verbrachte, um nebenbei weiter die Waschmaschine laufen lassen zu können, war ich nicht unbedingt eine Ausgeburt von Effizienz. Zappelig wie vor einer Klassenfahrt, so brachte es eine Kollegin auf den Punkt.

Um zwei nachmittags strich ich die Segel.

 

Abends ging ich mit den Kindern amerikanisch essen (;o))bevor ich sie bei ihrem Papa ablieferte. Und auch ohne Schlafmittel von Haribo schlief ich immerhin bis 6 Uhr durch.

 

Dann lief alles wie am Schnürchen. Der geordnete Rückzug durch eine Checkliste an der Tür organisiert – ja auch das ein Zeichen der Jahre. Ohne Aufschreiben geht es nicht. Das wirklich gestiegene Risiko, etwas zu vergessen und eine ausgesprochen unentspannte Haltung kleineren Pannen gegenüber, machen mich langsam zum Checklisten-Freak.

 

Ein Bus früher als nötig gaben mir am Bahnhof noch Zeit ein Buch zu kaufen, dass sich schon nach wenigen Seiten als erschreckend mäßig herausstellt. Aber nach fast 2000 Seite Funke ist man nun mal anspruchsvoll geworden.

 

Im Zug das übliche Chaos. Wer hinten eingestiegen ist, muss nach vorne und umgekehrt. Und jeder denkt, die anderen müssten unbedingt Platz machen, bloß die können sich auch nicht in Luft auflösen. Die Frau, die ich bitte, meinen Platz zu räumen, regt sich sofort tierisch auf und wird laut. Schließlich sei ihr Platz auch von jemand anderem belegt. Hätte sie mal nur ihre Empörung an dem Übeltäter ausgetobt.

 

Bei der Fahrscheinkontrolle dann große Anerkennung durch den Schaffner, wegen der wirklich beeindruckenden Strecke, die ich vor mir habe. Mir kommt die Bahnfahrt ans Nordostende Deutschlands auch fast wie eine Weltreise vor. Flughäfen – weil öfter genutzt – kommen mir vertrauter und weniger aufregend vor. Und die Chance, bei 6 Umsteigevorgängen einen Zug zu verpassen, kommt mir ziemlich groß vor. Der Zug ist verspätet in Frankfurt abgefahren und in Hamburg habe ich nur 8 Minuten. Wenn die Leute wieder die Gänge blockieren, kann es eng werden. Aber wahrscheinlich geht alles gut.

 

Lustig auch die Sache mit dem Hotspot im Zug. Mein Laptop findet sofort das Netzwerk, lässt sich auch reibungslos verbinden, doch dann erfahre ich auf dem Portal der Bahn, dass ein Internet nur auf bestimmten Strecken zur Verfügung steht. Frankfurt-Hamburg gehört definitiv nicht dazu.

Das interne Portal liefert Nachrichten von vor Weihnachten, und das Tool, das den Standort des Zuges auf einer Landkarte anzeigt, behauptet, wir befänden uns westlich von Lüttich.  Wirklich ein Mörder-Service. Allerdings hätte mir der volle Internetzugang unter Umständen gar nicht allzu viel genutzt, denn ich Witzbold habe neulich meine Kennung geändert (danny.jo finde ich nicht mehr ganz up to date) und -bin mir nun nicht mehr ganz sicher, wie ich nun heiße.

 

Wenn ich es vom Lap-Top aus nicht schaffe, muss ich auf Hiddensee ins Internet-Cafe, denn bei Ebay biete ich bei Auktionen mit, die heute abend auslaufen und habe keine Lust, mir da Ärger einzuhandeln.

 

So nun muss ich einen halben Zentner Proviant in Angriff nehmen und das schlechte Buch lesen – oder geb ich mir den Schimmelreiter per Hörbuch? Oder stelle ich mal einfach durch schlichtes aus dem Fenster gucken fest, wo ich denn nun wirklich bin.

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~ von danielag - Samstag, 19. Januar 2008.

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