Prost Genossen!

Gestern auf dem Wäldchesfest (für Nicht-Hessen: das ist ein Volksfest an Pfingsten, mit viel fettigem Essen und Rummelplatz -ja, und fast immer mit Gewitter).

Also, der Förderverein der Grundschule meiner Kinder verkauft auf dem Wäldchesfest Waffeln. Irgendwann ging der Teig aus und neuer wurde angesetzt und da kippen die doch Rum da rein. Nicht Rumaroma, nein, nen Schluck aus der Pulle.

Ja also, Rumaroma hätte man nicht gekriegt (das hätt ja ich zu Haus gehabt) und ohne schmecke es nicht.

Mein Hinweis auf trockene Alkoholiker und Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder mit Alk in Berührung kommen, wurde von der Mitbäckerin und der Verantwortlichen des Fördervereins mit einem Schulterzucken quittiert.

Als ich weiter keine Ruhe gab, hieß es: wir können es ja draußen dran schreiben, aber dann verkaufen wir womöglich keine Waffeln mehr.
In dem Moment habe ich nicht geschaltet. Denn wenn das wahr ist, wollen die Kunden das nun wirklich nicht, und umso verantwortungsloser ist es, das Zeug da kommentarlos reinzutun.

Auch das Argument mit dem Geschmack finde ich witzig. Wenn man schon Kleinkindern lecker mit Rum gewürzte Sachen gibt, behaupten sie vermutlich auch als Erwachsene, ohne schmecke es nicht.

Als ich nach dem Verkauf von vier Waffeln an eine mir bekannte Familie sagte: Ich bin mir sicher, diese Mutter hätte die Waffeln nicht genommen, wenn sie das gewusst hätte, war die Antwort: was sie nicht weiß…

Und trockenen Alkoholikern mache das nichts, der Alkolol verfliege beim Backen. Mein Einwand, dass selbst in einer 2 Stunden gekochten Suppe noch 5% vom ursprünglichen Alkohol drin seien, erntete erneut ein Schulterzucken.

Es war keine manglende Zivilcourage, die ignorante Kuh nicht einfach allein in dem Häuschen stehen zu lassen. Es ist mir einfach in diesem Moment nicht eingefallen. 

Ein Brief an den Förderverein wird gleich anschließend aufgesetzt.

Übrigens, wenn man per Google rauskriegen will, wie das nun ist mit dem Ethanol im Essen, findet man hundert mal gebetsmühlenartig die Aussage, dass Alkohol beim Kochen verfliegt. Ist ja auch klar, dass man das, was man selbst gern hört, wiederkäut.

Die wenigen Links zu neueren Untersuchungen, die anderes berichten, gehen dazwischen fast unter.

Einen findet ihr hier auf Seite 15.

Alk schad nix

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~ von danielag - Montag, 28. Mai 2007.

5 Antworten to “Prost Genossen!”

  1. Ich finde, dass auch Rumaroma nichts in Waffeln für Kinder zu suchen hat. Warum brauchen Kinder Rumgeschmack? Oder doch lieber Wisky? Ein Bierchen in Ehren zur nächsten Einschulung? Prost auch!

    Und wenn du Unterstützung brauchst, mir fallen spontan mindestens 10 Eltern ein, die das genauso sehen wie du. Wenn ich nachdenke, werden das sicher noch mehr.

  2. Nicht nur Kinder brauchen kein Rumaroma in Waffeln, ich auch nicht. Ich mag keinen Alkohol, in keinster Form und ich merke es jedem Essen an, wenn dort Alkohol drin ist. Und ich glaub auch nicht, dass „alles verfliegt“ beim Kochen, ich kanns ja noch schmecken. 😉
    Ich finds ne Frechheit von dem Förderverein so zu handeln. Es gibt doch soo leckere Rezepte für Waffeln…

    LG, Claudia

  3. Liebe Claudia,

    es verfliegt definitiv nicht. Noch nicht mal der Alkohol. Selbst nach zweieinhalb Stunden Kochzeit ist er nicht aus dem Schmorbraten draußen.
    GAnz heftig ist Flambiertes, das ja eh mit Hochprozentigem gemacht wird. Davon verschwinden nur maximal 23% beim 48-sekündigem Flambieren. Und die 48 Sekunden muss das Zeug erst mal brennen.

    Ich werde auf jeden Fall einen freundlichen Brief an den Förderverein schreiben und den Schuldirektor in Kopie setzen.

  4. So traurig und gefährlich das ist: Da kann man sich nur den Mund fusselig reden, wieder und wieder.
    Meine Schwägerin lässt die Kinder auch gerne mal am Bier oder Sektglas nippen…Die Krönung dann bei der letzten Feier: Meine 11-jährige Nichte fragt, ob sie auch einen kleinen Feigling bekommen kann und ich antworte ihr: Wenn Opa 70 wird (sprich: sie 16). Die Schwägerin lacht und sagt zu ihrer Tochter: „Ich warte nur drauf, wann du das erste Mal besoffen nach Hause kommst.“ Tja, das ist wohl vorprogrammiert.

  5. Wahrscheinlich kann auch kein Nicht-Hesse, bzw. -Frankfurter, den Brauch des Wäldchestages verstehen. Ich auch nicht mehr so ganz (und ich bin Frankfurterin, naja Vorort-Frankfurterin), Holz sammelt keiner mehr ein, alle städtischen Einrichtungen schließen um 12 Uhr, was für Workingmums ein echtes Problem sein kann, und zum Rummel geht doch auch keiner mehr außer Liebhabern von viel Wasser von oben, oder? Hoffe, ihr habt trotzdem ein bißchen was für Euren Föderverein eingenommen. Das mit dem Rum ist ja wohl voll Banane (um im Jargon der Kurzen zu sprechen)

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